Grigorescu

Ion Grigorescu

Ion Grigorescu startet seine Karriere vor dem Hintergrund eines in den Siebzigerjahren unsicheren, traumatisierten, von gesellschaftlichen Zersplitterungen bestimmten Rumänien. Offen für intellektuelle Einflüsse und formalen Experimenten gegenüber aufgeschlossen, baut Grigorescu unterschiedlichste Aspekte von Realität in ein komplexes virtuelles System ein: Die Grenzen seines eigenen Körpers sind Teil davon, aber auch Themen wie Metaphysik, die gesellschaftliche Isolation oder die materiellen Auswirkungen des Chaos in städtischen
Strukturen. Die 29-teilige Fotoserie Electoral Meeting von 1975 ist Beispiel seines Verständnisses von Außenwelt und künstlerischer Mission. Die während einer von der Geheimpolizei infiltrierten Wahlversammlung der Kommunistischen Partei zufällig
geschossenen Fotos sind weniger Dokumente rumänischer Unterdrückung,
sondern eher Beobachtungen verhängnisvoller Mechanismen. Das Volk wird gezeigt als unterwürfige Masse, die sich in leeren Gesten angeordneter Spontaneität immer selbst bestätigen muss.