In den Sechzigerjahren entdeckt Julije Knifer die repetitive Form des Mäanders als idealen Ausdruck einer minimalistisch-reduzierten Gestaltung.
Der Mäander erzeugt mithilfe von Schwarz-Weiß-Kontrasten und Vertikal-horizontal- Beziehungen einen monotonen Rhythmus, der für den Künstler zugleich der einfachste und ausdrucksstärkste war. Knifers Ziel ist eine „Antimalerei“, mit der er sich den gängigen Kriterien der Moderne widersetzt. Paradoxerweise werden seine Arbeiten verschiedene künstlerischen Perioden eingeschrieben: der geometrischen Abstraktion und dem
Neokonstruktivismus der Sechzigerjahre, der Antikunst der neoavantgardistischen
Gruppe Gorgona unter Betonung der Askese und seines Interesses am Absurden, genauso wie später dem Minimalismus und Konzeptualismus.
Tatsächlich ist Knifers obsessive Wiederholung und Variation eines einzigen Motivs über einen langen Zeitraum ein bewusst gewählter Sisyphusweg und – in den Worten des Künstlers – eine „Nichtentwicklung“. Er gehört damit zu jenen Künstlern wie Roman Opalka, On Kawara oder Hanne Darboven, die ihrem Werk ihr Verhältnis zur Zeit und zur Wiederholung einschreiben.
Julije Knifer
*1924. Osijek , Kroatien
† 2004. Paris , Frankreich
Ausstellungen (Auswahl)
2001 La Biennale di Venezia, 49. Esposizione Internazionale d´Arte, Venezia, I
2000 Formes du simple 2, MAMCO, Musée d’art moderne et contemporain, Genève, CH
2000 Julije Knifer, Odeon 5, Paris, F
1999 Aspekte / Positionen. 50 Jahre Kunst aus Mitteleuropa 1949-1999, MMKSLW. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Palais Liechtenstein, 20er Haus, A
1997 Biennale di Venezia, 47. Esposizione Internazionale d´Arte, Venezia, Ikona Gallery, Magazzini del Sale, Venezia, I
1996 Julije Knifer, La box, Bourges, F
1994 Ifa-Galerie, Stuttgart, D
1993 “Noir dessin”, Musée national d’art moderne, cabinet d’Art Graphique, Paris, F
1973 XII. Sao Paolo Art Biennale, Sao Paolo, BR
1966 Galerija suvremene umjetnosti [Contemporary Art Gallery], Zagreb, HR
1961 Galerie Denise René, Paris, F
Bibliografie (Auswahl)
Julije Knifer. Arbeitsprozess Tübingen, Ingrid and Žika Dacić (eds.), Tübingen, 1975.
Koščević, Želimir: Julije Knifer – Meander from Tübingen 1973-1988, Galerija suvremene umjentosti (ed.), Zagreb, 1989.
Gorgona (…Jevšovar, Knifer…), Art Plus Université de Bourgogne, (ed.), Dijon, 1989.
Pierre, Arnauld: Julije Knifer – Méandres, Adam Biro (ed.), Paris, 2001.
Maković, Zvonko: Julije Knifer, Studio Rašić, Meandar, Zagreb, 2002.