Jiří Kovanda beginnt in den späten Siebzigerjahren mit minimalistischen
Aktionen und Aktionsinterventionen. Diese unterscheiden sich wesentlich von den früheren tschechischen Fluxus-Aktivitäten, die pädagogische und utopische Ziele verfolgt haben, als auch von den Zeitgenossen, deren Performances oft physische und existenzielle Grenzen ausloten. Kovandas künstlerische Gesten hingegen sind meist so subtil, dass sie oft nicht wahrgenommen werden. Einfache Aktionen wie das Fixieren des Blicks
von Personen auf einer Rolltreppe oder das absichtlich unabsichtliche Berühren
von Passanten auf der Straße stellen Versuche einer Kontaktaufnahme dar:
Kovandas minimalistische Aktionen sind ein stiller Appell; sie artikulieren ein Bedürfnis nach Kommunikation zur Aufrechterhaltung eines elementaren menschlichen Kontakts. Man kann dieser flüchtigen Intimität eine politische Dimension zusprechen, da sie sich gegen die gesellschaftliche Isolierung in einem totalitären Staat stellt. Tatsächlich steht die Arbeit in ästhetischer Distanz zur offiziellen,
institutionellen Kunst als auch zur Moralität der inoffiziellen Kunst und zu deren transzendentalen Ambitionen.
Jiří Kovanda
* 1953 in Praha, CZ
Lebt und arbeitet Praha
Ausstellung (Auswahl)
2005 „Prague Biennale 2“, Karlínská hala, Praha, CZ
2004 „Cordially Invited“, Centraal Museum, Utrecht, NL
2004 „Nejsem proti“, Dům pánů z Kunštátu [Thr Brno House of Art, Brno, CZ
2003 „Parallel Actions“, Austrian Cultural Forum, New York, USA
2001 „Body and the East“, Exit Art, New York, USA
1999 „Aspekte/Positionen. 50 Jahre Kunst aus Mitteleuropa 1949–1999“, MMKSLW. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Palais Lichtenstein, 20er Haus, Wien, A
1997 Kunstmarkt, Dresden, D
1992 „Sirup”, Pasinger Fabrik, München, D
1991 „The Exhibition of the Contemporary Czech Art”, Taipai Fine Art Museum Taiwan, RC
1989 „Metaphysical Visions: Middle Europe”, Artists Space, New York, USA
Bibliografie (Auswahl)
Elisabeth Jappe: „Performance Ritual Process – Handbuch der Aktionkunst in Europa“, str. 63–64, 186, Prestel-Verlag, München-New York 1993
Georg Schöllhammer: „Auf einen Anruf warten“, Springerin, 4/98, str. 52–55
Miroslav Pesch: „Devadesátá léta CZ 99“, Ateliér, 23/1999, str. 2 a 16
Nora Theiss: „Free Entrance“, Flash Art, červenec – září 2004, No. 237, str. 54
Eiko Crimberg: „Die Ausstellung ‚Parallel Actions‘ in New York und Lepzig“, Texte zur Kunst, Nr. 55/ září 2004
Vít Havránek: „Vyjít s tím, co je“, Umělec 3/2004, str. 10–16
East Art Map, str. 43, New Moment, Ljubljana, Slovinsko