Milica Tomić thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen dem Trauma der verlorenen jugoslawischen Moderne und den neuen Identitäts- und Geschlechterpolitiken der Milošević-Jahre. Tomić politisiert die Biografie ihrer Mutter als exemplarisch. Der Weg führt zur Wohnung der Mutter in einer modernistischen Trabantenstadt der Tito-Zeit an der Peripherie – vorbei an muslimischen Siedlungen aus der Jahrhundertwende und einem Nato-zerbombten Wohnhaus. Tomićs Blick auf das Patchwork Stadt überblendet ein zentrales Motiv der Gespräche beider Protagonistinnen mit architektonischen Figuren im Stadtraum: das Motiv des – verlorenen – Modernismus. Wie um das Trauma dieser Entwicklung im Unbewussten abzuarbeiten, schneidet Tomić an Bruchstellen der Erzählung Passagen von Schwarzfilm mit bildhaft-geräuschvollen Tonsequenzen ein und schaltet auf Zeitlupe, wenn ihr Personen
in den Weg treten, deren Biografien mit jener der Mutter verwoben sind.
Milica Tomić
* 1960 in Beograd, SCG
lebt und arbeitet in Belgrad, SCG
Ausstellungen (Auswahl)
2006 Alone/Reading Capital, artspace Sydney, AUS
2005 Experimental Art Foundation, Adelaide, AUS
2005 Reading capital, Charim Gallery, Wien, A
2005 Populism, CAC. The Contemporary Art Centre, Vilnius, Lithuania/ National Museum of Art, Oslo, Norway/ Stedelijk Museum, Amsterdam, /Frankfurter Kunstverein, Frankfurt, / 2005 „This is Contemporary Art“ (performance), Frankfurter Kunstverein, Frankfurt a. M., D
2004 Reading capital, Artpace, San Antonio, USA
2003 La Biennale di Venezia, 50. Esposizione Internazionale d´Arte, Serbia and Montenegro pavilion, Venice, I
2003 8th International Istanbul Biennial, Istanbul, TR
2002 In search of Balkania, Neue Galerie Graz, Graz A
Bibliografie (Auswahl)
Milica Tomic: Ausstellung in Galerie im Taxipalais, Kunsthalle Wien, Museum voor Moderne Kunst, Arnhem, hrsg. Von Silvia Eiblmayr, Innsbruck 2000
Milica Tomic: The Work of Art in the State of Exile, National Pavilion, Venice Biennale 2003, Belgrade 2003
Hedwig Saxenhuber (hrsg.): Milica Tomic. Erlauf erinnert sich, in: Erlauf erinnert sich, Frankfurt am Main 2004