Tomić

Milica Tomić

Milica Tomić thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen dem Trauma der verlorenen jugoslawischen Moderne und den neuen Identitäts- und Geschlechterpolitiken der Milošević-Jahre. Tomić politisiert die Biografie ihrer Mutter als exemplarisch. Der Weg führt zur Wohnung der Mutter in einer modernistischen Trabantenstadt der Tito-Zeit an der Peripherie – vorbei an muslimischen Siedlungen aus der Jahrhundertwende und einem Nato-zerbombten Wohnhaus. Tomićs Blick auf das Patchwork Stadt überblendet ein zentrales Motiv der Gespräche beider Protagonistinnen mit architektonischen Figuren im Stadtraum: das Motiv des – verlorenen – Modernismus. Wie um das Trauma dieser Entwicklung im Unbewussten abzuarbeiten, schneidet Tomić an Bruchstellen der Erzählung Passagen von Schwarzfilm mit bildhaft-geräuschvollen Tonsequenzen ein und schaltet auf Zeitlupe, wenn ihr Personen
in den Weg treten, deren Biografien mit jener der Mutter verwoben sind.