Malevich

Kazimir Malevich

Auszug eines Briefes von Kasimir Malewitsch, Belgrad
Liebe Freunde!
[…] Der schneereiche, kalte Winter des Jahres 1915 in Petrograd ist mir
noch so gut in Erinnerung, als ob es gestern gewesen wäre. Alles war in Bewegung, es war eine Zeit der Hoffnung, der Begeisterung, voll Optimismus und Zukunftsgläubigkeit – und es war Revolution. […] Ich muss zugeben, dass ich für meine „Installation“, wie man heute sagen würde, keinerlei vorgefassten Plan
hatte. Sie war das Ergebnis eines Zufalls. Ich wusste nur, dass Das schwarze Quadrat in der oberen Ecke hängen sollte. Alles andere war irrelevant. Als ich meine suprematistischen Bilder da- und dorthin hängte, dachte ich nicht im Traum daran, dass das Foto dieser Installation einst berühmt und in zahllosen Büchern und Zeitschriften veröffentlicht werden sollte. […] Ich habe langsam den Eindruck, dass das Foto wichtiger ist als meine suprematistischen Bilder! Das war der
Hauptgrund, warum ich jahrelang daran dachte, dieselbe Ausstellung noch einmal
zu machen. […] Sie wurde auf den Tag genau 70 Jahre später, am 17. Dezember
1985, in einer kleinen Wohnung eröffnet und bis 19. Jänner 1986 gezeigt. […]
Ich weiß, dass dieser Brief für euch eine große Überraschung ist, weil allgemein angenommen wird, dass ich 1935 gestorben sei. […] Viele meinen, ich wäre tot. Aber stimmt das?
 
 

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