Konzept
Kontakt. Die Kunstsammlung der Erste Bank-Gruppe beschäftigt sich mit der Kunstproduktion in Mittel-, Ost- und Südosteuropa unter Berücksichtigung gegenwärtiger Kunstdiskurse und kritischer Theorie. Kontakt reflektiert die politische und historische Transformation in Europa und den Stellenwert der Kunst vor dem Hintergrund spezifischer kultureller, sozialer und ökonomischer Entwicklungen in post-sozialistischen Ländern. Ziel ist es, eine kunsthistorisch und konzeptuell fundierte Sammlung zu entwickeln, die lokalspezifische und kontextbezogene, aber von vielen Museen bisher vernachlässigte Positionen innerhalb der internationalen Kunstproduktion thematisiert. Dieses Bestreben führt zu Verschiebungen innerhalb des existierenden Kanons der jüngsten Kunstgeschichte und eröffnet neue Positionierungsmöglichkeiten künstlerischer Tätigkeit.Die Intention der Sammlung
besteht darin, Formen der Kunstproduktion innerhalb der veränderten und sich verändernden politischen Geografien Europas zu reflektieren. Für die Kunst der ehemaligen kommunistischen Länder gilt es, diese in einem internationalen Vergleich zu betrachten und auf gegenseitige Beziehungen sowie unterschiedliche Praktiken hinzuweisen. In den meisten Ländern des ehemaligen Realsozialismus befanden sich KünstlerInnen untereinander oftmals in geringerem Austausch als mit den VertreterInnen der internationalen Kunstwelt. Es fehlten Strukturen, die die künstlerische Produktion und eine intensive Kommunikation forciert hätten.
Die neue Kunstsammlung der Erste Bank-Gruppe zielt auf eine Präsentation von Werken, die eine entscheidende Rolle in der Formierung einer gemeinsamen europäischen Kunstgeschichte einnehmen.
Der inhaltliche Ausgangspunkt
von Kontakt bezieht sich auf die konzeptuellen Tendenzen und wichtigen künstlerischen Strömungen der 1960er und 70er Jahre. Dieser historisch angelegte Teil beginnt mit einer Anzahl von Werken, die sich als Reaktion auf den Modernismus verstehen und seine Stellung im gegenwärtigen Kunstdiskurs thematisieren. Die Entwicklungen in Ost- und Südosteuropa dienen hierbei als Ausgangspunkt der Betrachtungen, um einen grundlegenden Bestand an Arbeiten in unterschiedlichen Medien und Formaten zu schaffen. Der Hauptteil der Sammlung fokussiert auf Werke der jüngeren und jüngsten Kunstgeschichte.
Die Geschichte Osteuropas besteht aus zahlreichen Teilgeschichten, die sich keiner einfachen Systematisierung unterziehen lassen. Der historische Beginn im Rahmen der internationalen Avantgarden der 1960er Jahre verweist auf die Entstehung konzeptueller und aktionistischer Tendenzen, die sich international gleichzeitig entwickelten.
Ziele
Neben dem Ziel, den Kanon der jüngsten europäischen Kunstgeschichte zu reartikulieren, versucht die Sammlung erratische, aber referenzielle Arbeiten mit einzubeziehen, die eine kontinuierliche, jedoch öffentlich oftmals verborgen gebliebene Kunstproduktion bezeugen. Der generelle Fokus der Sammlung liegt auf einer transgeografischen Auffassung von Kunst, die sich weniger mit Räumen als physische Produktionsstätten, sondern mit ihren inhaltlichen Vernetzungspotenzialen auseinander setzt.
Die Kunstsammlung der Erste Bank-Gruppe versteht sich als prozess-orientierte Struktur, die auf die Entwicklungen innerhalb der Gegenwartskunst reagiert. Die Sammlungsaktivitäten gehen über einen schrittweisen Ankauf von Kunstwerken hinaus, ebenso vielfältig sind die Möglichkeiten ihrer Repräsentanz. Neben einer kontinuierlichen Ankaufstätigkeit bietet die Sammlungsstruktur eine flexible Arbeitsplattform, die in ständigem Kontakt zur aktuellen Kunstproduktion steht.
Die Präsentation der Kunstwerke erfolgt daher unabhängig von einem institutionell und lokal verankerten Ausstellungsraum auf dezentraler und relationaler Basis. Ausstellungen finden in Form von kuratierten Projekten in Zusammenarbeit mit musealen Institutionen und Ausstellungszentren sowie den KünstlerInnen selbst statt. Eines der Anliegen besteht darin, die Sammlung bzw. eine Werkauswahl im jeweiligen lokalen Kontext zu zeigen, in dem die einzelnen Kunstwerke entstanden sind.
Walter Seidl


