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  • Productive Work - What is it supposed to be?
    27 June – 2 Sept 2018

    Frei_raum Q21 exhibition space, Vienna Kuratiert von Anamarija Batista Leihgaben von Kontakt: Jirí Kovanda, Action Photographs, 1976-78 Künstler_innen: Igor Eškinja (HRV), Dušica Dražić (SRB/BEL)*, Tomislav Gotovac (HRV) & Dražen Žarković (HRV), Ana Hušman (HRV)*, Jiří Kovanda (CZE), Nina Kurtela (HRV)*, Dariia Kuzmych (UKR/GER)* & Svitlana Seleznova (UKR)*, Christina Lammer (AUT), Tihana Mandušić (HRV)*, Damir Nikšić (BIH), Alicja Rogalska (POL/GBR)* & Łukasz Surowiec (POL)*, Nika Rukavina (HRV)*, Irena Sladoje (BIH)* & Iva Simčić (BIH)*, Julian Turner & Bar du Bois (AUT), Borjana Ventzislavova (AUT/BGR), Jakub Vrba (AUT/CZE). *Q21 Artists-in-Residence In der heutigen Mainstream-Ökonomie wird Produktivität als „Verhältnis zwischen Produktionsergebnis und Faktoreinsatz“ definiert, wobei man in der Regel Arbeitsproduktivität, Kapitalproduktivität und Multifaktorproduktivität unterscheidet. Eine höhere Produktivität wird durch technologische Innovationen, neue Business-Modelle etc. erreicht. In Anbetracht der oben skizzierten Entwicklungen stellt sich die Frage, welche Wunschvorstellungen und Visionen es im Jahr 2018 in Hinblick auf die Produktivität und damit einhergehende Produktionsverhältnisse gibt. Soll die Steigerung der Produktivität etwa eine Verkürzung der Arbeitszeiten herbeiführen, wie John Maynard Keynes es für das Jahr 2030 prognostizierte? Oder wünscht man sich heute einen entspannteren und stressfreieren Arbeitsalltag sowie mehr Entscheidungsmacht? „Productive Work“ beleuchtet den Begriff „Produktivität“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln und macht deutlich, dass Produktivität immer in Bezug auf die strukturellen und ideologischen Voraussetzungen und Eigenschaften erörtert werden sollte. Denn wie „Produktivität“ definiert wird, ist das Ergebnis gesellschaftlicher Vorstellungen und Überzeugungen. Die gezeigten künstlerischen Arbeiten präsentieren eine Reihe an experimentellen Settings, die in „ungewöhnlicher“ Weise Aspekte der Produktivität zeigen bzw. die Frage ihrer Kontextualisierung stellen. Sie sind als Denkfiguren, als Narrative gedacht, die die Gestalt der Produktivität unterstreichen oder verformen und sich vier Themenschwerpunkten widmen: Produktivität im Sinne der Repräsentation und Messung von Arbeitsergebnissen, Produktivität im Sinne des Kontrollverhältnisses zwischen Mensch und Maschine, Störung als Drehschraube der Produktivitätsbedingungen, sowie Produktivität in Bezug zu Transformation gesellschaftlicher Visionen und Lebensverhältnisse. So zeigt Igor Eškinja in seiner Arbeit „Golden Fingers of Louvre, 2017“ Fotografien der Eingangs-Drehtür des Louvres in Paris, die nach einem Tag mit Finger- und Handabdrücken übersät ist. Mit dem Einfall von Sonnenstrahlen schimmern diese in verschiedenen Farben und es hat den Anschein, als würde das, was die BesucherInnen nach dem Museumsbesuch berühren, selbst zu Kunst werden. Ist man also durch die Rezeption von Kunst befähigt selbst Kunstwerke zu erschaffen? Um das Verhältnis von Mensch und Maschine geht es bei Christina Lammer. Sie hat sich an der Hüfte operieren lassen und einen Abdruck des Knorpels aus Silikon angefertigt. Unter dem Titel „Bone Work“ wird dieser in der Ausstellung zu sehen sein. Christina Lammer‘s Arbeit verweist auf die Möglichkeiten der Austauschbarkeit menschlicher Körperteile, die durch den medizinischen und technologischen Fortschritt zukünftig noch weiter zunehmen werden. Die künstlichen Komponenten sind dabei nicht nur Nachahmungen von Körperteilen, vielmehr ermöglicht ihre Gestaltung mittlerweile eine Erweiterung der Körperfunktionen. Alicja Rogalska & Łukasz Surowiec haben 2014 einen Tränen-Shop in Lubin für ein paar Tage eröffnet. Dort konnten die BesucherInnen ihre Tränenflüssigkeit verkaufen. 3 ml Tränen entsprachen einem Wert von EUR 25. Fast 200 Personen besuchten den Shop, und boten ihre Tränen an. In ihrer Videoinstallation „Tear Dealer“ zeigen die KünstlerInnen die im Geschäft stattfindenden Produktionsgeschehnisse. „Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, 2005“ („Od jutra do mraka“) wiederum zeigt einen Arbeits-tag im Leben des Performancekünstlers Tomislav Gotovac. Er schläft in einem Bett mitten auf dem Hauptplatz in Zagreb (Trg Bana Jelačića), er saugt Staub auf den Straßen, er isst auf einem Schienenstrang etc. Eine zweite Kamera zeigt die Reaktionen der vorbeikommenden BewohnerInnen, die dar-über reden, was er hier tut und schließlich mit ihm selbst zu diskutieren beginnen, ob das, was er gera-de macht, Arbeit ist oder nicht. Der Autor des Dokumentarfilmes ist Dražen Žarković. „Seaside“ ist der Titel des Werks von Dušica Dražić. Ihr Lebenspartner Wim Janssen erzählte der Künstlerin folgende Geschichte: sein Geographielehrer in Antwerpen zog einst den Vergleich, dass der Abstand von der Schule zum Meer so lang sei, wie wenn man mit einem Kugelschreiber Linien zöge, bis dieser leer ist. In ihrer Arbeit „Seaside“ visualisiert Dražić diese Geschichte und füllt dabei 72 A4-Blätter mit Linien. Die Arbeit thematisiert die Frage der Arbeit und der Freizeit. Während die Schule eine Stätte der Wissensproduktion darstellt und somit als Arbeitsort begriffen werden kann, ist das Meer ein symbolischer Ort der Freizeit. Wie wird heute der Abstand zwischen diesen Orten gemessen? Welche Mittel stehen einem zur Verfügung? Und was assoziiert man mit diesen Orten? „Times of Transition“ ist eine autobiographische Mutter/Tochter-Arbeit von Dariia Kuzmych (Tochter) und Svitlana Seleznova (Mutter) und zeigt, welchen Einfluss gesellschaftliche Veränderungen auf Menschen und ihre Produktivität haben. Svitlana Seleznova beendete nach dem Zerfall der UdSSR ihr Kunststudium. Um Geld zu verdienen, begann sie als Schneiderin zu arbeiten, was einige Zeit aufgrund der fehlenden „hochqualitativen“ Kleidungsgeschäfte in Kyiv gut funktionierte. Die Techniken, die sie als Schneiderin praktizierte, übertrug sie auch fortlaufend in ihre künstlerische Arbeitspraxis. Die gesellschaftlichen Veränderungen ereigneten sich jedoch so rasant, dass Seleznova ihre beiden Berufsfelder, Schneiderei und Kunst, immer wieder an die „neuen“ Verhältnissen anpassen musste. Dariia Kuzmych lädt ihre Mutter ein, mit ihr gemeinsam das Projekt „Times of Transition“ zu visualisieren und im Rahmen dieser künstlerischen Kollaboration, die durch die gesellschaftlichen Ereignisse herbeigeführten Veränderungen im Arbeitsalltag zu reflektieren. Nika Rukovinas „Manual for house repairs women“ ist ein Handbuch für Frauen, in dem beschrieben wird, wie Haushaltsgeräte repariert werden können. Noch ist es möglich, mechanische Geräte selbst „in Ordnung zu bringen“. In Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen, die durch Digitalisierung gekennzeichnet sind, stellt sich jedoch die Frage, wie lange dies noch möglich sein wird. Durch die Beschaffenheit sowie die kurzfristigen Lebenszyklen der digitalen Geräte haben die Benutzerinnen immer weniger Einblick in das Innenleben der Geräte.

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Sven Stilinović – Neću (I don´t want to)

Sven Stilinović was still a schoolboy when he started exhibiting with the Group of Six Artists on the streets of Zagreb in 1975. He was not impressed by photographic conventions he learnt at the School of Applied Arts, so he was ironically subverting all procedures that he learnt. Photographic enlargements of small collages in which he recycled fragments of older photographs and tiny objects, as well as series where photographs of garbage interchange in a photographic sequence with photographs of cluttered shops raise the issue of photographic motif, while in “Comparison of the development of painting and non-development of photography” (1975) he concludes that that which is offered as a history of photography does not lead to its openness and creativity. Distinct feature of his character as well as his art is resistance to all requests and laws of the system. He opposed to all forms of ideology, and mocking at and confronting the power with its own symbols is typical of many of his works: he painted a flag only in black and white relation (1983), cobbled it together with boards (1984-85) and assembled it from disposable shaving razors, from cotton wool (1984-85). Frequent references to Bakunin and his predecessors, Proudhon and Stirner, as well as De Sade, and quoting them in his works reveal a libertarian tradition he embraced. His “non-politicality” was political in anarchistic sense. Proudhon’s idea of “no state, no power, absolute freedom of man and citizen” is reflected in his work. Stilinović especially liked to juxtapose his photographs with the texts from anarchistic thinkers, which emphasise the autonomy of personality stressing revolt as a natural creative negation which cancels all forms of alienation and affirms the innate dignity of man and his wish to realize himself completely in his work. He is prone to researching various things so his work varies from paintings of weapon to expressive installations and performances using animal bones and organs.

This publication is supported by Kontakt

  • Edit by: DAF – obrt za izdavanje knjiga
  • Original Title: Sven Stilinović – Neću (I don´t want to)
  • Year: 2017
  • Publisher: DAF
  • Language: English/Croatian