Mission

Die Unternehmungen der Erste Bank-Gruppe verfügen über historisch gewachsene und umfangreiche Kunstsammlungen. Nach einer Evaluation des Bestandes schien eine Neuausrichtung geboten und sinnvoll: Sowohl inhaltlich als auch methodisch verpflichtet sich die neue Sammlungsaktivität der Erste Bank-Gruppe einem neu ausgearbeiteten Modell. Dabei spielt die Entdeckung und Sichtbarmachung eines noch wenig vorhandenen Kunstmarktes in der Region, in der sich die „Collection“ bewegt, ebenso eine Rolle wie der Versuch der Begründung eines übergreifenden Verantwortungsbegriffs.

Im Mittelpunkt des Sammlungskonzepts
stehen daher nicht nur die verheißungsvollen Kräfte einer markttechnisch wenig entdeckten Region Europas, sondern vor allem die Funktion einer solchen Tätigkeit als Verantwortung gegenüber der kulturellen Vielfalt der Region.

Ausgangspunkt
sind aber in jedem Fall die beeindruckenden Leistungen der KünstlerInnen. Die Sammlung baut auf deren hervorragendem, einzigartigem, speziellem Kunstschaffen auf, das in der Definition gesamteuropäischer Kunsttraditionen noch immer den Kürzeren ziehen muss. Das kulturelle Europa bleibt so lange um diese Bereicherung ärmer, solange es keine Antworten findet, die Beiträge der KünstlerInnen in neue Fähigkeiten der Wahrnehmung und des Dialogs zu integrieren. Um beiden Ausrichtungen gerecht zu werden, ist eine Strategie der Sammlungstätigkeit notwendig, die den ästhetischen und sozialen Kontext in einer neuen Zusammensetzung berücksichtigt. Gesammelt wird nicht des reinen Sammelns wegen.

Mission
Die Erste Bank-Gruppe hat sich entschlossen, die Kunstsammlung in Angriff zu nehmen, weil sie ihr Engagement als Beitrag versteht, in den Gesellschaften, in denen sie sich bewegt, neben den ökonomischen auch soziale und kulturelle Werte zu schaffen. Für den Aufbau der neuen Kunstsammlung heißt das die Wahrnehmung einer umfassenden Verantwortung gegenüber teils immer noch isolierten und wenig entdeckten kulturellen Praktiken und Traditionen. Die Möglichkeiten und Chancen der KünstlerInnen in den ehemaligen kommunistischen Ländern können bei den ökonomischen und politischen Integrationsprozessen bei weitem noch nicht mithalten.
Die Strategie, die Zusammensetzung der Jury und die Präsentation der Sammlung folgen diesem Konzept. Die Arbeit ist eingebettet in eine begleitende Forschung, Dokumentation und in eine Auseinandersetzung mit produktionspolitischen Rahmenbedingungen.
Die Präsentation der Sammlung wird sich nach „relationalen“ Kriterien richten, sie wird dezentral und grenzüberschreitend in Erscheinung treten, sie wird in den lokalen Kontext über Projekte und Ausstellungen intervenieren und sie wird größtmögliche Teilhabe an ihren Werken und Aktivitäten ermöglichen, auch was die MitarbeiterInnen der Bankengruppe betrifft.

Verein zur Föderung mittel,-ost und südosteuropäischer Kunst
Ein von Česká spořitelna, Slovenská sporitel’ňa und Erste Bank gegründeter Verein kauft die Werke an. Die Sammlung trägt den Namen „Kontakt“ und steht in Tradition zu Kontakt. Das Programm für Kunst und Zivilgesellschaft der Erste Bank-Gruppe in Zentraleuropa. Der Titel ist außerdem eine Referenz zu dem slowakischen Künstler Július Koller (geboren 1939), der seine viel beachteten Performances in den 60er Jahren so benannte. Auch das Logo der Sammlung trägt aus diesem Grund die Handschrift des Künstlers.

Sammlungspolitik
Die Ausrichtung der Sammlungspolitik und die Ankäufe der Kunstwerke erfolgen durch einen unabhängigen Beirat. Dessen Engagement und Kompetenz sichern die Ernsthaftigkeit des Anliegens, die Einzigartigkeit der neuen Collection und die Zukunfts­fähigkeit dieser Unternehmung. Den Aufbau einer neuen zentraleuropäischen Kunstsammlung wollen wir in den Dienst der Kunst und damit in den Dienst der kulturellen Entwicklung in dieser Region stellen. Gerecht wird man diesem Vorhaben nur durch einen kompromisslosen Qualitätsanspruch und durch die Wahrnehmung der damit verbundenen Verantwortung im Kontext größtmöglichen Respekts vor dem Kunstschaffen selbst.

Boris Marte